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Jahreslosung 2012

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

(2.Korinther 12.9)

 

Liebe Gemeinde,

was auf den ersten Blick wie eine Einladung scheint, unsere Schwächen zugeben zu dürfen und gerade darin Gottes Zuspruch zu entdecken, ist doch etwas irritierend beim Nach-Denken: Soll das heißen, dass Gott nur Schwache gebrauchen kann? Oder dass die Schwachen doch wieder stark sein müssen – und sei es mit Gotteskraft?

Oder ist es vielmehr umgekehrt, dass unser Leben in großer Wahrscheinlichkeit eben auch mal ins Straucheln gerät, dass Notzeiten in unsere Endlichkeit gelegt sind, ja, uns sogar beschenken können. Denn: Finden Sie nicht auch, dass es länger je mehr kaum etwas anstrengenderes gibt, als immer gut zu funktionieren? Es ist ja geradezu entlastend, dieses andere zu erleben: Es geht auch ohne mich. Und mehr noch, wenn ich Zeiten habe, die mich schwach finden, dann gibt es auch Hilfe. Ein Versprechen, in das ich mich flüchten kann wie in eine Burg. Ein Tür, die sich öffnet und hinter mir schließt, so dass das, was mich bedrängt, draußen bleiben muss. Das Geschrei bleibt vor den Mauern. Drinnen ist es ruhig. Und sicher. Der Burgherr kennt meinen Namen. Ich bin willkommen. Ich bin sogar erwartet in meiner Not. Da ist einer, der hat gesehen, wie es mir geht und dass ich Schutz brauche für eine gewisse Zeit. Vielleicht nur, um Kraft zu tanken.

Wissen Sie, ich finde, wir sollten die Burg nicht nur in der Not aufsuchen. Wir können ruhig auch mal im alltäglichen Vielerlei einen Abstecher machen und heraufsteigen zu ihr. Vielleicht auf der Mauer spazieren, den Burgherren grüßen, den aktuellen Flüchtlingen helfen.

Wir können uns das vorstellen. Vielleicht errichten wir uns eine Gedankenburg, in der es gut ist, zu beten.

Ich stelle mir vor, dass in Notzeiten der Weg einfacher wird, wenn wir ihn im Alltag schon geübt haben.


Sie merken schon: Ich schreibe natürlich nicht von echten Burgen, sondern von Rückzugsorten im Herzensinneren, die einen Schutzraum bilden für unsere weltzerzauste Seele.

Sogar die Engel, so heißt es, kommen etwas federzerfleddert von ihren Erdbesuchen zurück.

Die Welt ist nicht gemacht für ein sorgloses Paradiesleben. Es gibt so viel Ungerechtigkeit, soviel Leiden. Wie könnten wir da nicht mit hineingenommen werden, da Jesus selbst uns doch als Licht mitten ins Dunkel gesandt hat. Ja, wir wollen das gerne tun. Alles, was uns möglich ist. Aber manchmal, weißt du, Jesus, Bruder, Heiland, manchmal brauchen wir eben auch einen Ort für unsere Mutlosigkeit. Manchmal wünschen wir uns einen, der sagt: Komm, ich kenne deinen Namen, bei mir bist du sicher. Ich schenke dir Schutz und Kraft. Zeit für deine Seele. Einen neuen Weg. Die Stärkung des Gebetes.


Auch Jesus hat gebetet. Obwohl er das doch wohl nicht nötig gehabt hat, sollte man denken. Aber er hat seine Seele umfangen lassen von der Gegenwart Gottes. Damit er für andere dasein konnte. Sein ganzes Leben war irgendwie immer Gebet. Das fing schon Weihnachten an. Dieses Engelssingen. Und es zieht sich durch bis Ostern. Wieder Engelsstimmen. Flügelumfangene Seelen. Ich kenne deinen Namen. Du bist sicher.


Ich glaube, bei uns ist das nicht anders. Vom Anfang bis zum Ende. Jeden Tag: Ich bin bei dir, sagt Gott.

Denken Sie sich einen guten Ort, an den sie wiederkehren, um Gott zu begegnen, wann immer Sie daran denken, in Zeiten der Not oder der Freude, oder im alltäglichen Dazwischen. Im Adventsglanz des Dezembers, im Neuanfang des jungen Jahres. Stärken Sie Ihr Vertrauen in Gottes Zusage: Deine Schwäche ist zugleich deine Stärke, sie zeigt deine Zuversicht und was wirklich gilt im Leben: Du bist getragen von Gott. Alle Kraft kommt von ihm. Und er schenkt sie uns. Immer. Einfach so. Wir können sie abholen. Heute.


Christus spricht:Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt(zeit) Ende.

 

Bleiben Sie behütet,

Ihre Sigrid Jahr

 

 

 

 

 

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